Ich wünsche mir mehr mutige Frauen
- ks15065
- 3. Feb.
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Aktualisiert: vor 6 Tagen

Ich möchte dir heute eine kleine Geschichte erzählen. Ich sitze gemütlich beim Frühstücken im Hotel in Österreich. Da kam eine kleine, braunhaarige Kellnerin auf mich zu und fragte mich mit einem spanischen Akzent, ob ich hier alleine wäre. Ich sagte ja und antwortete ihr, dass ich hier zum Skifahren wäre. Ihre Augen wurden auf einmal ganz groß und leuchtend. Sie erzählte mir, wie mutig das von mir sei, dass ich einfach machen würde, auf was ich Lust habe und sie das auch gerne können würde. Dann erzählte sie mir ihre Geschichte.
Sie kommt ursprünglich aus Spanien und hat hier in Österreich einen Mann geheiratet. Nach 13 Jahren Ehe kam plötzlich die Scheidung. Mit mehreren Kindern, im Ausland, ohne gut Deutsch zu sprechen, ein richtiger Schock. Nun lebt sie seit vier Jahren alleine und darf das Leben nun ganz neu lernen. Für die Generation der Frauen vor ihr wäre es undenkbar gewesen, einen Mann aus einem anderen Land zu heiraten, geschweige denn ein unabhängiges Leben ohne Ehemann als Frau alleine im Ausland zu führen. Seit der Trennung fängt sie an, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Sie erzählte mir, dass ihr Ziel es nicht nur sei, alleine Zeit verbringen zu können, sondern diese Zeit auch richtig zu genießen. Auch ist sie nun sehr motiviert, jetzt richtig gut Deutsch sprechen zu können.
Mich hat ihre Geschichte sehr berührt und ich möchte sie hier teilen, da ich immer wieder beobachte, wieviele Frauen sich zurückhalten und darauf warten, dass andere ihnen dabei helfen, die Dinge zu realisieren, die sie gerne machen würden. Als wenn sie sich eine Art Elaubnis oder Einladung wünschen würden, die oftmals nie kommt. Mutig zu sein bedeutet für mich nicht, etwas zu machen, was andere sich nicht trauen würden, sondern trotz Angst zu handeln, weil es das ist, was ich will. Der Vergleich mit anderen kann inspirierend sein, aber auch demotivierend. Ich erzählte ihr, dass sie umso mutiger sein könne, umso mehr Angst sie habe.
Ich sitze hier alleine am Tisch und freue mich einfach auf meinen Tag in den Bergen. Ich freue mich auf die Natur, die Gipfel, auf den Schnee und natürlich die Hänge runter zu gleiten. Ich habe mir schon vor vielen Jahren abgewöhnt, mich von anderen abhängig zu machen. Begonnen mit einer Wanderung, die ich nach ständigem rumgeeiere meiner angedachten Begleitung, dann einfach selbst in die Tat umgesetzt habe, sind daraus inzwischen Tage und sogar Monate des alleine Entdeckens geworden - letztens bis nach Neuseeland und Australien.
Das Freischwimmen passiert selten von heute auf morgen, sondern ist ein langwieriger Prozess, in dem man sich immer wieder ein kleines Stück überwinden darf. Man stretcht sozusagen immer wieder die eigenen Grenzen, und zwar so weit, so dass man sie noch halten kann und nicht in Panik verfällt. Für alle, die sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen: das Wachstum passiert außerhalb der Komfortzone, aber noch nicht in die Panikzone - also in der goldenen Mitte. Wovor die meisten wohl Angst haben, ist das „alleine sein“. Viele verwechseln das mit Einsamkeit. Ich glaube, oftmals steckt ein Gefühl dahinter, sich ohne anderen Menschen an der Seite unsicher zu fühlen und garnicht richtig zu wissen, was man mit sich alleine anfängt. Wenn ich alleine ins Café gehe, was mache ich dann? Wo schaue dann ich dann hin? Werde ich komisch angeschaut, wenn man merkt, dass ihr hier alleine bin? Das ist alles Kopfkino und einfach nur ungewohnt. Wachstum passiert erst, wenn man seine Ängste nicht mehr überbewertet, sondern sich bewusst für das entscheidet, was man will. Und das tollste daran: Wer lernt mit sich selbst die schönste Zeit zu verbringen, der ist auch mit anderen zusammen eine viel bessere Gesellschaft, da das Gegenüber nichts mehr kompensieren muss. Alleine ist man auf Reisen meist auch weniger alleine als man meinen würde. Die schönsten Begegnungen und Gespräche habe ich immer, wenn ich alleine unterwegs bin - wie jetzt gerade.
Ich wünsche mir einfach, dass viel mehr Frauen, ihren inneren Impulsen folgen und das tun, was sie gerne machen möchten - unabhängig von dem Wille oder der Verfügbarkeit anderer. Das lässt sich nicht nur auf Urlaub und Freizeit übertragen, sondern einfach auf das ganze Leben und somit auch den Beruf. Wer sich selbst gut kennt und weiß, dass er auch alleine super klar kommt, der traut sich viel mehr, seinen eigenen Weg zu gehen, Grenzen zu setzen und für sich selbst einzustehen. Damit sind also viele gute Dinge verbunden.
Oder auch in den Worten meiner Begegnung gesagt, als sie zum Abschluss freudig die Arme hochgerissen und gerufen hat: „Frauenpower!“ :-)
Wer weiß, vielleicht treffe ich sie irgendwann wieder und dann wird sie mir erzählen, was sie seitdem alles geschafft hat. Bei ihr habe ich da keinen Zweifel, dass sie ihren ganz eigenen Weg gehen wird. Die eigenen Ziele zu erreichen gibt einem unglaublich viel Kraft und Energie und das wünsche ich jeder Frau und natürlich auch jedem Mann.
Liebe Grüße,
Katharina



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