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Wann hast du das letzte Mal Langeweile empfunden?

  • ks15065
  • 28. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Es ist Weihnachtszeit. Normalerweise läuft das Ende des Jahres immer so ab: der Jahresabschluss wird in der Arbeit gemacht, alle möglichen Leute wollen noch etwas von einem, gleichzeitig denkt man an Zuhause und die Geschenke und Erledigungen, die noch bis zum Weihnachtsfest gemacht werden dürfen. Dazu am besten noch Wohnung putzen und aufräumen, damit man frisch ins neue Jahr starten kann.


Und dann ist es endlich soweit: Heiligabend ist da. Alle kommen zusammen, es wird gemeinsam gegessen, viel geredet und Geschenke verteilt. Diese Zeit fühlt sich immer sehr ungewöhnlich und besonders an. Manchmal stressig, aber zugleich auch kuschelig warm und nach Geborgenheit. Eine meiner Lieblingszeiten im Jahr.


Dann sind die Weihnachtsfeiertage rum und es passiert: Es ist stiller als sonst und gefühlt hängt man so ein bisschen zwischen den Stühlen. Die Welt ist ruhiger, die Arbeit geht noch nicht los, aber immer wieder denkt man schon an das, was ansteht. So ganz genau weiß man garnicht, was man machen soll. Ich habe immer eine lange Liste, die trotz Abarbeitung nie kürzer wird - wer kennt’s nicht? Zu tun gibt es immer viel, aber jetzt ist ja Urlaub und Pause angesagt. Der Körper sehnt sich danach und das spürst du. Wenn der unruhige Geist da nicht wäre.


Daher meine Frage an dich: Wann hast du das letzte Mal Langeweile empfunden?


Ich habe neulich einem Bekannten auf seine Weihnachtsgrüße geantwortet und ihm geschrieben, mein Ziel wäre es in den Tagen nach Weihnachten Langeweile zu empfinden und erst dann, wenn ich das geschafft habe, wieder mit dem Arbeiten anzufangen. Und ja, das ist ernst gemeint.


Langeweile bedeutet für mich, so entspannt zu sein, dass mein Körper automatisch nach etwas Neuem sucht und wieder Lust darauf hat, etwas anzupacken. Und zwar nicht aufgrund von Müssen, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus.


Ich bin der festen Ansicht, dass wir Menschen nicht dazu gemacht sind nichts zu tun. Tätigkeit ist ein Grundbedürfnis für uns, genauso wie Sinnhaftigkeit. Nur rumhängen hört sich immer verlockend an, aber wird sich auf Dauer nicht gut anfühlen. Dazu möchte ich dir kurz von einer Begegnung erzählen:


Ich erinnere mich hier an Chris, einen Amerikaner, den ich dieses Jahr im Flugzeug nach Indonesien kennengelernt habe. Er hatte alles, was man sich vorstellen kann, inklusive ein Boot. in Ein Traumleben, meint man. Er war Flugzeugkapitän und hat vor einiger Zeit seinen Job in seinen 40ern an den Nagel gehängt. Was ich aber ganz klar gespürt habe war, dass er nicht so richtig wusste, was er nun mit seinem Leben anfangen will. Seine Reisen, sein Geld und auch sein Boot schienen ihn nicht zu erfüllen. Im Gegenteil. Es war eine große Leere fühlbar und ein Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit. Das hat mich direkt etwas traurig gemacht und mir klar gemacht, wie wichtig es doch ist, einen Art Plan zu haben oder eine innere Zugrkraft in eine bestimmte Richtung.


Wenn ich mein Umfeld beobachte, merke ich immer wieder, wie sehr alle im „als nächstes kommt dann das“-Modus sind. Wir denken oft in To-Do-Listen und das Abhaken der einzelnen Punkte bestimmt unseren Alltag und seinen Ablauf. Zumindest geht es mir oft so. Sobald man eine Sache erledigt hat, kommt die nächste dran und dann die nächste und die nächste usw.. Eigentlich ein Fass ohne Boden.


Mein Wunsch wäre es, zwischen den Jahren oder auch Anfang des neuen Jahres so sehr zu entspannen und meinen Kopf so leer zu machen, dass wieder das Gefühl von Langeweile kommt und ich dann wieder voll motiviert und mit viel Kraft ins neue Jahr starte. Denn ich habe viel vor.


Wir unterschätzen die Kraft von „Leere“. Nein, nicht nur unterschätzen, sogar meist fürchten wir die Leere. Und ich meine damit nicht einen Mangel, sondern den Raum den wir aufmachen. Für Neues braucht es immer Raum und den geben wir uns in der heutigen Zeit kaum noch. Es ist zunehmend schwerer geworden, ihn bei all dem täglichen Social Media Konsum mit LinkedIn, Instagram und Messern wie WhatsApp, und täglichen 20 Emails, noch zu finden. Das Buzzword dafür ist „Mental Load“. Ich würde sogar von Overload sprechen. Unser Gehirn wird inzwischen so intensiv gefordert, so dass wir direkt Entzugserscheinungen haben, sobald wir mal 10 min nicht am Handy waren. Wir sind darauf programmiert zu konsumieren. Und das was wir tun, ist uns selbst eigentlich nur doch drumherum zu organisieren, anstatt wirklich zu bestimmen, wo unser Weg lang geht.


Raum zu haben zum Denken und Innehalten ist inzwischen ein einzigartiges Luxusgut geworden. Ich kenne nichts, was uns mehr Kraft gibt, wenn wir ihn zulassen und pflegen. Ohne Stille und Klarheit verlieren wir uns im neuen Jahr wieder in unseren oft fremdbestimmten Aktivitäten. Eine Einladung an dich, vielleicht mal wieder ganz anders ins neue Jahr zu starten, so wie wir das noch als Kinder ganz natürlich konnten!


Wann hast du das letzte Mal Langeweile empfunden? Kannst du dich überhaupt daran erinnern? Wie lange hat das oft gedauert? Wie hast du dich danach gefühlt? Was ist alles entstanden? Wie könntest du die Bedingungen dafür heute wieder schaffen? Was müsste gehen? Und was darf einziehen?

 
 
 

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